Biskaya – Portugal

Biskaya-Portugal-Gelb Nach stundenlangen heftigen, für Sven ungewöhnlichen Seegang, gleich zu Anfang der Biskaya, versuchte er mit Fenderboxen sein Unwohlsein zu unterdrücken. Nach einiger Zeit kam, was kommen musste, immer wieder erbrechen , der Arme! Er tat mir einfach leid, wegen meines Hobbys musste er sich so quälen. Aber nachdem alles vorbei war, nahm ich ihn in die Arme und er fühlte sich gleich viel wohler.

Gleich in der ersten Nacht hatten wir Flaute. Nach Starten des Motors, stellte sich ein Schaden an der Wasserpumpe heraus, den ich während der Nacht auch nach stundenlangem Bemühen nicht beheben konnte. Zum Glück frischte der Wind wenigsten etwas auf und wir machten etwa zwei bis drei Knoten Fahrt. Am nächsten Morgen gelang es mir den Schaden zu beheben und wir fuhren unter Maschine am unheimlichen Cabo Finisterre vorbei. Nachts erreichten wir Viana do Castello in Portugal, der Haven, in dem Traudl auf uns wartete. Es war kurz vor Mitternacht, in unserem Hafenhandbuch waren die Tiefen falsch angegeben, da es sich um eine ältere Ausgabe handelte. Wir fuhren deshalb vorsichtig im Hafenbecken hin und her. Plötzlich begann ein riesiges Feuerwerk, als wäre es nur für uns gezündet worden. Traudl, die im Sportboothafen mit einem Zollbeamten wartete, rief uns schon über Handy an, denn Sie konnte bereits unsere Lichter ausmachen. Aber da in dem älteren Hafenhandbuch der Sportboothafen noch gar nicht existent war. Wir suchten fast eine halbe Stunde, bis wir Traudl in die Arme nehmen konnten. Der Zollbeamte hatte extra auf uns gewartet, damit wir uns einklarieren konnten. Er hütete freundlicherweise auch noch den Seesack meiner Frau, die somit von dieser Last befreit war. Es war schön, wieder zu dritt zu sein und wir unterhielten uns fast die ganze Nacht, denn für Sven war dieser Törn ein großes Abenteuer.

Am nächsten Tag sahen wir uns erst einmal in Viana do Castello um. Ein nettes Städtchen mit einem wunderschönen Markt. Traudl schlief noch, sie hatte ja auch zwei Tage Strapazen hinter sich. Sven sah eine alte Blumenverkäuferin und suchte gleich für Traudl eine Rose aus. Diese suchte Sven wohl mit großer Liebe aus, denn sie hielt ganze drei Wochen, obwohl sie mehrmals bei Seegang umstürzte und sie stundenlang, und ohne Wasser in der Spüle aushalten musste. Nach drei Tagen hielten wir es nicht mehr an Land aus und wir segelten mit Stopp über Lexoes, Figueira da Foz, Nazare vorbei an Cabo Roca, und erreichten spät am Abend Cascais. Ich machte das Ankergeschirr klar, Sven drehte in der Zwischenzeit ein paar Runden und lotete den Ankerplatz aus. Dann kam sein Befehl “lass fallen Anker”! Ich ließ, wie so oft, den Anker fallen und während das Rasseln der Ankerkette die Abendstille durchbrach, legte Sven den Rückwärtsgang ein und zog dadurch den Anker fest.

 

 

Cabo-de-SaoVicente Nachdem der Motor ausgestellt war, genossen wir die himmlische Ruhe, die Abendsonne, den Geruch der von Land herüberwehte, das leise Rauschen der Brandung, einfach beruhigend herrlich. Traudl kannte diese Bay schon, da sie vor fünfzehn Jahren in Lisboa einen Sprachkurs besuchte, und von Lisboa aus mit der Bahn hier des Öfteren an den Strand fuhr, um sich nach der Schule zu erholen. Sven stieg bald in die Koje, er war, wem wundert es, hundemüde und fiel bald darauf in einen tiefen Schlaf. Traudel und ich hingegen genossen bei einem Glass Portwein den Abend bis tief in die Nacht und betrachteten den Sternenhimmel. Am nächsten Morgen, es war schon fast neun, erwachten unsere jetzt ausgeruhten Leiber. Ich startete unseren Petroleumherd und setzte Kaffeewasser auf. Wir saßen draußen neben den am Vortag montierten Tisch und genossen die Aussicht als plötzlich der Wasserkessel pfiff, mit zwei, drei Sätzen war ich am Herd, damit bloß nicht die Flöte vom Kessel wer weiß wo hinflog! So gegen elf Uhr war alles verstaut, ich hievte den Anker und Sven ließ es sich nicht nehmen ,den Motor zu starten und den Tejo hinauf bis nach Lisboa zu fahren. Es dauerte einige Stunden bis wir vorbei an dem Turm von Belem und dem berühmten Entdeckerwahrzeichen, das nicht weit von der mächtigen Brücke steht, die beide Seiten des Tejo verbindet, erreichten. Nun ging es entlang an einer für Bremerhavener Verhältnisse kleine Außenkaje, an der auch noch zufällig ein Containerschiff aus Bremerhaven lag. Wir fuhren an drei Yachthäfen vorbei, um dann doch beizudrehen und den zweiten Haven anzusteuern der uns als der günstigere erschien.

  • Castell vor Lissabon
    Castell vor Lissabon
  • Karl-Heinz mit Ehefrau
  • Denkmal Heinrich der Seefahrer
  • Die beruehmte Bruecke ueber den Tejo links oben die Christusfigur aehnlich der am Zuckerhut

Im Haven angekommen wies uns auch schon ein freundlicher Hafenmeister einen freien Liegeplatz zu. Endlich in Lisboa! Nachdem wir die lästige Prozedur des Einklarierens hinter uns gebracht hatten, war unser erster Gang zum Supermarkt, der nicht weit vom Haven lag. Es war früher Abend und der Supermarkt – ein Riesending – hatte bis zweiundzwanzig Uhr geöffnet. Als Erstes wurde für alle ein Eis gekauft, dann alles vom frischen Brot angefangen über Obst , Fleisch , Käse usw. bis hin zu Getränken. Mein Gott, war dass eine Schlepperei! Aber das Bier schmeckte anschließend hervorragend und entschädigte für die Schlepperei. In den nächsten Tagen hieß es Lisboa, die ach so wunderschöne Stadt ,zu erkunden. Traudl hatte ja bereits das Vergnügen und war somit ein besonders guter Stadtführer. Vier Tage verbrachten wir somit in Lisboa und die Zeit war leider noch zu kurz. Es war kurz vor acht in der Früh, als wir die Leinen lösten und unsere Fahrt weiter ging. Lisboa ließen wir schnell hinter uns und ruck zuck erreichten wir wieder Cascais, deren Haven eine Bootstankstelle besaß und tankten unseren Diesel und Wassertank voll, bevor es weiter in Richtung Sines ging. Gute sechzig Meilen lagen vor uns und dennoch erreichten wir Sines noch in der Nacht, wo wir so gegen Mitternacht den Anker fallen ließen. Draußen in der Stadt und am Strand war noch richtig Leben.

Bay-bei-Balceira Am nächsten Morgen, wir hatten noch nicht gefrühstückt ,da sprang Sven bereits im weiten Bogen vom Bugkorb ins Wasser, um einige Runden um unser Schiff zu schwimmen. Sven lästerte hämisch, ich sei doch zu feige, um ihm zu folgen. Das ließ ich mir nicht bieten, nahm die Pütz, füllte sie mit Wasser, übergoss damit meinen Körper zwecks abkühlen, damit ich beim Hineinspringen ins Wasser bloß keinen Herzinfarkt bekam. Dann sprang ich vom Kajütdach direkt ins Wasser. Das Wasser spritzte bis auf das Kajütdach. Sven lästerte wieder, er meinte,, da sei wohl ein Walross ins Wasser gesprungen. Darauf hin wollte ich Sven untertauchen aber weit gefehlt, denn Sven war mittlerweile dreizehn Jahre jung und ich fünfzig Jahre alt, er schwamm so schnell da konnte ich nicht mehr mithalten! Wir kalberten noch ein wenig bis wir genug Appetit hatten, um zu frühstücken. So gegen neun Uhr hatte Traudl alles verstaut. Wir hievten den Anker und diesmal ging es sofort unter Segel, ohne die lästigen Motorgeräusche, hinaus auf die See. Langsam verschwand Sines am Horizont, denn wir segelten weit westlich wegen des steten Nordwindes, auf den Atlantik hinaus, um dann am Abend wieder östlicher Cabo de Sao Vicente das süd-westliche Ende Europas zu ereichen. Gleich hinter dem Cap kam uns eine Prozession auf Schiffen entgegen selbst die Küstenwache war dabei. Sven wurde schon unruhig, denn bald erreichten wir Baleeira den ersten Hafen nach dem Cap indem sich eine deutsche Tauchschule befinden sollte. Sven wollte dort einen Tauchschein erwerben. Als wir die Bay ereichten, startete ich den Motor, steuerte das Schiff in den Wind um das Großsegel besser bergen zu können. Dann lotete ich eine gute Ankerstelle aus und diesmal ließ Sven den Anker fallen. Nun hatten wir Südportugal ereicht, wir ließen den Törn noch mal Revue passieren und freuten uns auf den nächsten Tag, um den Ort zu erkunden und die Tauchschule aufzusuchen.