Abfahrt Bremerhafen

DBgelb Es ist Juli 2001, mein Sohn Sven und ich warten seit Tagen auf gutes Wetter , denn wir wollen von Bremerhaven nach Portugal segeln. Am 23 Juli, der Tag an dem der Weltumsegler Wilfried Erdmann von seiner Weltumseglung zurück kam, schien das Wetter günstig, nämlich Flaute. Bei Flaute fahre ich lieber unter Maschine los, damit sich mein Körper langsam an die See gewöhnt. Sven und ich schlugen die Segel an, die wir Tage zuvor aus Rotterdam, wo sie gewaschen wurden, abholten. Gegen Mittag war es dann soweit, Sven startete voller Ungeduld den Motor, löste die Leinen, und los ging es. Das Schleusen ging zügig und Traudl winkte uns ein letztes mal von der Außenkaje zu. Sie hatte wohl genau so ein Gefühl im Bauch wie ich , denn vor zwanzig Jahren, als wir zum ersten mal die Biskaya überquerten, überraschte uns ein schwerer Sturm bei dem beide Fockschoten zu Bruch gingen, und wir fünf Tage schweres Wetter hatten. Jetzt war ich mit Sven allein unterwegs. Schnell verloren wir Traudel aus den Augen, und vorbei ging es an dem Columbuscenter und an der längsten Außenkaje der Welt. Nach ca. drei Stunden war die offene See erreicht und der Alte weltbekannte Leuchtturm „Roter Sand“ strahlte uns entgegen.

Syline-BremerhavenIn der Seeschifffahrtsstraße kamen uns mehrere Containerschiffe entgegen, auch Autofrachter waren darunter. Vor Wangerooge verließen wir die Schifffahrtsstraße und nahmen Kurs auf Norderney. Es war bereits elf Uhr und stockdunkel, als wir die Ansteuerungstonne erreichten. Nun half uns das Radargerät, das wir neu hatten sehr, um durch das schmale Fahrwasser zugelangen. Es war bereits ein Uhr, als wir unser Schiff an einer holländischen Segelyacht festmachten. Vom Skipper der Yacht erfuhren wir, das sie schon um vier Uhr in der Früh ablegen wollten, ich erwiderte:,, kein Problem“ wir auch. Kurze Zeit später lagen wir auch schon in der Koje.

Mit einem Mal klopfte es heftig an der Bordwand, was mich zwangsläufig aus meinem Tiefschlaf riss. Das war das bekannte Zeichen aufstehen, ablegen, wir wollen los. Noch völlig schlaftrunken schlüpfte ich in meine Klamotten, schnappte mir die Spiritusflasche, goss etwa ein Schnapsglas voll unter den Petroleumbrenner, zündete es an, damit der Brenner auf Betriebstemperatur kam und stellte gleich den Wasserkessel darauf. Puh, das war geschafft. Ich öffnete die Luke, sprach mit dem Skipper des Nachbarschiffes und erfuhr, das noch Zeit zum Kaffee kochen blieb. Zurück in der Kajüte, schaffte ich es gerade noch, den Petroleumbrenner anzuschmeißen. Während ich mich frisch machte, pfiff auch schon der Wasserkessel. In zwei, drei Sätzen war ich am Herd, nahm den Kessel vom Brenner gerade noch rechtzeitig, damit Sven nicht wach wurde.

laengste-Aussenkaje-der-Welt-in-Bremerhaven Gegen halb fünf war es dann soweit, ich startete den Motor und wie aus der Pistole geschossen stand Sven an der Luke, sah hoch und sagte:,, ich helfe sofort”! Gemeinsam lösten und verstauten wir die Leinen, drehten eine Ehrenrunde und fuhren den Holländern hinterher, die auch unseren Kurs hatten. Es war stockdunkel und es war so schön bequem der Yacht zufolgen, deren Steuersäule voll gepackt mit Navigationsgeräten war. Als es dann zur See ging, fuhren Sie allerdings nicht durch das betonte Fahrwasser, sondern nahmen eine Abkürzung über eine Sandbank. Trotz Hochwasser unterließ ich dies und nahm lieber den Umweg durchs Fahrwasser in Kauf „ sicher ist sicher“.

Zur Frühstückzeit erreichten wir die Tonne Borkum Riff, nun sind wir bald vor der holländischen Küste.